Holzpuppen

Als etwa im Mittelalter Puppen als Spielzeuge für die Töchter der Herrscherhäuser Einzug hielten, waren diese Puppen so kostbar, dass sich das gemeine Volk solche Spielzeuge für die Kinder nicht leisten konnte. Geschickte Väter fertigten für ihre Töchter Holzpuppen, mit denen diese dann spielen konnten. Eine gewerbliche Fertigung von Holzpuppen erfolgte damals nicht, da die einfachen Leute so arm waren, dass sie sich nicht einmal die billigsten Puppen hätten leisten können. Es handelte sich bei den selbst gebauten Holzpuppen um einfache Ausführungen, deren Körper aus einem Holzklotz bestanden, der in Form gebracht und glatt geschliffen wurde. Je nach Geschick des Vaters wurden die Arme und Beine mehr oder weniger beweglich angebracht. Den Kopf der Holzpuppen machte meist die Mutter aus Lappen und Rupfen. Auch die Kleidung wurde von der Mutter aus Leinen genäht. In späteren Jahren, als es möglich war, Holz maschinell zu bearbeiten, erfolgte auch eine gewerbliche Fertigung von Holzpuppen. Besonders in Kriegszeiten, als die Rohstoffe knapp waren, stieg die Produktion von Holzpuppen, da für deren Herstellung einheimische und nachwachsende Rohstoffe verwendet werden konnten. Als nach dem zweiten Weltkrieg das Wirtschaftswunder einsetzte, geriet die Herstellung von Holzpuppen etwas in Vergessenheit.

Erst in den achtziger Jahren besannen sich Eltern, die auf Umweltschutz und ökologische Lebensweise achteten wieder auf die Verwendung von Holzpuppen. Dabei ging es jedoch nicht um den billigeren Preis der Holzpuppen, sondern vielmehr um die Verwendung natürlicher Materialien. Das Holz wurde den Kunststoffen in der Herstellung vorgezogen. Die modernen Holzpuppen wurden mit ökologisch unbedenklichen Farben bemalt oder mit Bienenwachs behandelt. Der Markt für diese Öko-Holzpuppen wuchs stetig an und existiert bis heute. Kaufen kann man diese Puppen aber meist nicht in den Kaufhäusern oder Spielwarenläden, sondern in den kleinen Ökoläden und im Versand von Umweltorganisationen.

Heute werden Holzpuppen nicht mehr nur als Spielzeug hergestellt, sondern auch als Ausstattungsstücke für Wohnungen, beispielsweise als Kleiderständer für die Garderobe. Auch für das Trainieren der asiatischen Kampfsportart Wing Tsun werden spezielle, handgefertigte Holzpuppen angeboten.